Home

Alles über Schuhgrößen (Teil 3): Weitensysteme

Die bisherig abgehandelten Schuhgrößensysteme sind fast alle ausschließlich Längensysteme, was bedeutet, dass die Länge des Fußes das Haupt- und genaugenommen auch das einzige Kriterium für die passende Schuhgröße ist. Es gibt allerdings auch Systematiken, bei denen auch die Schuhweite eine Rolle spielt.
Leider ist dieses Thema der Weiten ein eher undankbares Gebiet: Meistens gibt es keine unterschiedlichen Weiten bei Herrenschuhen. Daher sind die folgenden Ausführungen zunächst einmal informativer Natur, ein paar Praxistipps schließen sich an den „theoretischen“ Teil an.

Sowohl englische wie auch französische, resp. EU-Größen kennen eine zusätzliche Weitenerfassung. Bei den englischen Schuhgröße entsprechen die Buchstaben A bis K sehr schmalen bzw. sehr breiten Füßen. Französische Weiten nutzen die Zahlen von 1 (für sehr schmal) bis 9 (für sehr breit). Auch die grobere Unterscheidung zwischen S,M und W wird gelegentlich genutzt. Wenn es unterschiedliche Weiten gibt, dann wird diese Größenangabe hinter der eigentlichen Schuhgröße angegeben, also etwa „43 G“. Gemessen wird der Fußballenumfang. Beim Sprung von Größe zu Größe ändert sich der Fußumfang um ca. 5 mm. Entsprechend gehen auch die verschiedenen Maßsysteme von etwa diesem Wert aus (meist zwischen 5 bis 7,5 mm). Wie üblich bei Schuhgrößenangaben sind auch diese Werte nicht im geringsten genormt oder sonstwie verbindlich. Schlüpf in und find wieder raus, heißt die Devise. Denn bei der Weite ist nicht zwangsläufig die Breite des Fußes das Thema. Ob der Fuß eher in die Höhe oder in die Breite geht, kann ganz individuell verschieden sein und trotzdem die gleiche Weite, also den Ballenumfang ergeben. Die Möglichkeiten der Anpassung sind also unbegrenzt und vor allem für Problemfüße eine mitunter sehr aufwändige Aufgabe.

Natürlich spielt auch bei den normalen Schuhgrößen die Fußweite eine Rolle und für die perfekte Anpassung wäre das durchaus nützlich. Der Haken: Weil bei einem solchen Weitensystem jede zusätzlich angebotene Breite den Warenbestand verdoppelt, macht das kaum ein Hersteller und die wenigsten Händler mit. Entsprechend handelt es sich meist um hochpreisiges Schuhwerk, das auch in verschiedenen Breiten erworben werden kann. Am ehesten findet man ein Weitenmeßsystem in der Kinderabteilung, wo das sogenannte WMS-System recht verbreitet ist (W – weit, M – mittel, S – schmal).

Warum fehlende Weiten meist nicht so tragisch sind

Die Problematik der fehlenden Schuhweiten ist natürlich durchweg bekannt, die meisten Hersteller versuchen das zu kompensieren mit möglichst vielseitigen Leistenformen. Diese Grundformen, auf denen der Schuh aufgebaut wird, werden so gestaltet, dass ein möglichst großer Kundenkreis eine ideale oder doch wenigstens gute Paßform erhält. Auch wird für bspw. sportliche Herrenschuhe ein anderer Leisten genutzt als für einen Bequemschuh oder klassische Herrenschuhe.
Für die Kunden, die knapp an der Grenze zwischen zwei Größen sind, empfiehlt sich mitunter der Einsatz von Einlagen, mit denen eine Feinanpassung gelegentlich gelingt. Wenn einmal die Länge passt, aber der Herrenschuh zu schmal geraten ist, bleibt oft keine andere Möglichkeit, als zu einer größeren Schuhgröße zu greifen. Das etwas mehr Luft nach vorne besteht als man es sonst gewohnt ist, ist meist kein Problem, wenn der Schuh ansonsten gut sitzt. Auch ästhetisch wird kaum jemand den Unterschied feststellen können. Nichts desto trotz bleibt eine nicht zu unterschätzende Zahl an Herren übrig, deren Füße gar nicht mit Normweiten einzufangen sind. Diesen bleibt am Ende kein Ausweg als die wenigen Hersteller zu finden, die verschiedene Weiten anbieten oder zu Maßanfertigungen und sonstigen Anpassungen zu greifen.

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen