Qualitätsmerkmale von Herrenschuhen Teil 2 – Die Schuhsohle
Wir arbeiten uns langsam, seeehr langsam voran und kümmern uns heute mal um ein Thema, bei dem es so manche falsche Vorstellung gibt bezüglich der Qualität, nämlich der Schuhsohle. Die messerscharfe Linie, die sich dabei ziehen lässt, verläuft zwischen Gummisohlen auf der einen und den Sohlen aus Leder auf der anderen Seite. Eines sei vorab gesagt: Leder ist nicht alles und Leder ist auch nicht gleich Leder.
Es gibt sehr viele Kunden, für die eine Ledersohle ein uneingeschränktes Qualitätsmerkmal ist. Nun, dem ist nur mit einer gewissen Einschränkung so. Hochwertige Herrenschuhe, so heißt es, halten länger. Das ist im Grunde richtig, allerdings ist das eher trotz als wegen der Ledersohle der Fall. Die höhere Haltbarkeit von Herrenschuhen ergibt sich eher aus dem Zusammenspiel von sehr guten Ausgangsmaterialien mit einer sehr guten Verarbeitung und Verarbeitungsmethode, die eine angelegentliche Reparatur des Schuhs vereinfacht. Dass hochwertigere Leder zu einer im Prinzip längeren „Laufzeit“ führen, liegt in der Natur der Sache.
Wenn wir nur über die Ledersohle von Herrenschuhen reden, dann müssen einige sehr unpraktische Eigenschaften genannt werden, die aber nicht zu vermeiden sind, wenn man auf Leder läuft: Zunächst einmal sind heutzutage verwendete Laufsohlen aus Leder üblicherweise nicht wasserdicht. Die Faustregel ist, dass das Leder nach ca. 1 Stunde so viel Wasser aufgenommen hat, dass man es spürt, sprich, nasse Füße bekommt. In dieser Stunde ist das Leder natürlich auch schon glatt, wer mit Ledersohlen im Regen unterwegs war, weiß, was Rutschgefahr bedeutet – ungefähr so wie mit Slicks im Regenrennen. Das öfter vorgebrachte Argument, durch die Ledersohle würde der Fuß “atmen” können, oder wenigstens etwas Feuchtigkeit nach außen abgeben, können Sie getrost vergessen. Da ist je nach Aufbau ein guter Zentimeter Material zwischen unten und ganz unten, da geht ziemlich genau gar nicht raus. Der Schuh nimmt durchaus etwas Feuchtigkeit auf, was aber vor allem ein Argument für ausreichende Tragepausen ist. Und zu guter letzt lässt sich auch nicht bestreiten, dass eine Lederlaufsohle als Naturprodukt nicht ganz so lange vor Abrieb geschützt ist wie eine Gummi-/Kunststoffsohle. Gerade Männer, die mit Ledersohlen nicht so vertraut sind, schaffen es immer wieder, durch unsachgemäße Handhabung die Sohle zum Brechen zu bringen (soll heißen, dass sie durch das Zusammenspiel von zu viel Feuchtigkeit und mangelnder Pflege im wörtlichen Sinne durchbrechen können, was natürlich dann doch wieder zum brechen ist). Man kann mit verschiedenen, auf dem Markt erhältlichen Sohlenölen dem Ganzen etwas entgegenwirken, die grundsätzliche Problematik bleibt aber bestehen.
Aus welchem Material besteht dann die optimale Schuhsohle bei Herrenschuhen?
Diese Frage ist trotz der genannten Eigenschaften von Ledersohlen natürlich nicht definitiv zu beantworten. Ledersohlen haben selbstverständlich ihre Berechtigung, gerade im hochwertigen Bereich der Herrenschuhe. Praktischer, im Sinne von weniger pflegeintensiv sind die heutzutage (und mit gutem Grund) dominierenden Gummilaufsohlen. Diese schließen ja nicht aus, dass das „Interieur“ des Männerschuhs von hoher Qualität sein kann und dem Anspruch klassischer Herrenschuhe in nichts nachsteht. Dies gilt natürlich auch für alle anderen Typen von Männerschuhen, wie z.b. Sneaker.
Ein wichtiger Punkt ist allerdings, wo man wohnt. So hat es seinen guten Grund, warum viele italienische Schuhhersteller, die für ihren Heimatmarkt Ledersohlen einsetzen, für den deutschen Markt bei vielen Modellen lieber noch eine zusätzliche, dünne Gummilaufsohle mit aufnähen und/oder kleben. So werden „Schönwetterschuhen“ dann doch noch die notwendigen Merkmale eines robusten und vielseitigen Herrenschuhs verliehen.
Beispiel eines mit mit zusätzlicher Gummisohle versehenem Männerschuh (Nobrand: Abram brown):

